Dienstag, 16. September 2014

Verdacht auf Leukämie: Diagnostik

Juni 26, 2010 von  
Kategorie: Leukämie

Obwohl der Verdacht auf Leukämie fällt, zögern viele Menschen den Besuch beim Arzt heraus. Sie befürchten, dass sich ihr Verdacht bestätigen könnte und sie dann in eine medizinische Mühle geraten. Zudem fühlen sich einige Patienten bedroht und haben Angst, dass die Diagnose Leukämie ihr ganzes Leben verändert. Doch gerade Krebserkrankungen sollten so früh wie möglich erkannt werden, da die Heilungschancen mit zunehmendem Krankheitsverlauf sinken. Daher sollten Beschwerden stets auf ihre Ursache hin untersucht werden, sofern diese nicht bekannt ist.

Erst wenn die Diagnose gestellt wurde, kann mit einer gezielten Behandlung begonnen werden. Bei Verdacht auf Leukämie sollten die Diagnoseuntersuchungen zeitnah durchgeführt werden, vor allem bei bestimmten Arten der Krebserkrankung ist dies wichtig. Unter Umständen nehmen die Voruntersuchungen einige Tage oder gar Wochen in Anspruch. Die Geduld der Patienten wird dabei auf eine harte Probe gestellt. Jedoch kann die weitere Behandlung dann genauer auf Sie zugeschnitten werden, je gründlicher Sie vorher untersucht werden. Sobald alle Ergebnisse bekannt sind, werden die Ärzte entscheiden, welcher Behandlungsplan für Sie am sinnvollsten ist. Darüber hinaus wird Ihnen erklärt, was die Diagnose Krebs für Sie und Ihr Leben bedeutet und mit welchen Nebenwirkungen Sie rechnen müssen. Dennoch sollten Ihre persönlichen Wünsche und Vorstellungen nicht übergangen werden. Sprechen Sie mir Ihrem behandelnden Arzt darüber, schließlich haben Sie ein Recht auf Selbstbestimmung. Ein vertrauensvolles Arzt-Patienten-Verhältnis ist dabei sehr wichtig. Haben Sie Bedenken oder fühlen Sie sich nicht gut aufgehoben, wechseln Sie den behandelnden Arzt oder holen Sie sich zumindest eine zweite Meinung ein.

Im Rahmen der Diagnostik sind folgende Untersuchungen möglich:

Anamnese: Die Anamnese (Krankheitsvorgeschichte) gibt dem Arzt einen guten Überblick über den Krankheitsverlauf. In diesem Vertrauensgespräch werden die aktuellen Symptome, ihre Dauer, Risikofaktoren sowie Vor- und Begleiterscheinungen angesprochen. Wer möchte, kann sich vor dem Gespräch wichtige Notizen aufschreiben, damit später im Gespräch keine wichtigen Punkte vergessen werden. Wichtig sind aber Ihre Angaben über Leukämieerkrankungen innerhalb der Familie (Eltern, Kinder, Geschwister).

Körperliche Untersuchung: Nach der Anamnese wird der Arzt direkt mit den ersten körperlichen Untersuchungen beginnen. Dabei wird er prüfen, ob die Lymphknoten oder die Milz vergrößert sind. Durch derartige Informationen kann sich der Arzt vorab ein Bild machen und eine diagnostische Tendenz ermittelt.

Laboruntersuchungen: Die Laborwerte sind sehr wichtig bei der Diagnostik von Leukämie, denn die Blutuntersuchung gibt Aufschluss über die Menge und Qualität der Zellen. Das Blut wird unter dem Mikroskop genau untersucht, so dass festgestellt werden kann, welche Untergruppe der weißen Blutkörperchen sich bösartig verändert hat. Zumeist wird zusätzlich eine Knochenmarkuntersuchung veranlasst.

Knochenmarkuntersuchung: Die Blutbildung findet im Knochenmark statt (nicht zu verwechseln mit dem Rückenmark), daher ist bei Verdacht auf Leukämie die Untersuchung des Knochenmarks überaus wichtig. Hierfür wird eine geringe Menge (etwa fünf bis zehn Milliliter) des Knochenmarks aus dem Beckenknochen entnommen. Solch eine Punktion wird ausschließlich unter lokaler Betäubung durchgeführt. Der Patient liegt dabei zumeist. Mit einer dünnen Nadel wird dann die Knochenmarkflüssigkeit entnommen. In manchen Fällen funktioniert diese Vorgehensweise jedoch nicht (die sogenannte trockene Punktion), so dass für den zweiten Versuch ein ca. zwei bis drei Zentimeter langer Gewebezylinder aus dem Beckenknochen entfernt wird.

Das gewonnene Knochenmark kann dann auf Glasplättchen ausgestrichen und unter dem Mikroskop untersucht werden. Anhand der Ergebnisse des Blutbildes und der Knochenmarkpunktion lassen sich präzise Aussagen über die Zusammensetzung und das Aussehen von Blut und Knochenmark tätigen. Auf diese Weise steht schnell fest, woran Sie leiden.

Spezielle Laboruntersuchungen: Bei der Diagnostik von Leukämie spielen vor allem die Laboruntersuchungen eine zentrale und bedeutende Rolle. So gibt die Zytochemie Aufschluss über das Vorliegen der Leukämieform.

Es gibt noch ein weiteres Verfahren, die sogenannte Immunphänotypisierung. Dabei werden spezielle Oberflächenmerkmale der Zellen kontrolliert, indem diese mit bestimmten Antikörpern gefärbt werden. Dank der medizinischen Maßnahme lassen sich akute lymphatische sowie chronische lymphatische Leukämien relativ zuverlässig feststellen. Besonders von Vorteil ist, dass mit der Immunphänotypisierung verschiedene Untergruppen unterteilt werden können. Dies ist wichtig, da die verschiedenen Untergruppen unterschiedlich behandelt werden müssen.

Wichtig zur Unterteilung von Leukämieformen ist außerdem die sogenannte zytogenetische Untersuchung (oder auch Chromosomenanalyse genannt). Bei dieser Ergründung werden die Träger der genetischen Information untersucht. Dabei lassen sich unter Umständen Veränderungen entdecken, die bestimmte Leukämietypen verursachen. Die meisten Leukämiepatienten leiden unter der chronischen myeloischen Leukämie. Dabei liegt das Philadelphia-Chromosom vor, ein typisches verkleinertes Chromosom. Auch bei einem geringen Teil der Betroffenen mit ALL lässt sich dieses Chromosom nachweisen. Die Behandlung richtet sich nach Art der Leukämie, so hilft bei Patienten mit dem Philadelphia-Chromosom eine Therapie mit Imatinib bzw. mit deren Nachfolgern. Daher ist es für die Ärzte sehr wichtig zu wissen, ob solch eine Veränderung vorliegt.

Darüber hinaus werden auch häufig bestimmte Chromosomenveränderungen bei Patienten mit akuter myeloischer Leukämie erwiesen. Diese Veränderungen geben Aufschluss über den Krankheitsverlauf (Prognose). Spezielle Veränderungen lassen sich beispielsweise mit der Chemotherapie gut behandeln, Rückfälle werden nur selten verzeichnet. Andere Veränderungen hingegen können anzeigen, dass ein Rückfall sehr wahrscheinlich ist. Solche Untersuchungen beeinflussen die Wahl der Behandlung demnach enorm. Gehen die Ärzte zum Beispiel davon aus, dass während der Chemotherapie ein hohes Rückfallrisiko besteht, wird mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit die Übertragung von Knochenmark- oder Blutstammzellen gewählt. Bei einem geringen Risiko wird die Chemotherapie der Übertragung von Knochenmark- oder Blutstammzellen zumeist vorgezogen.

Lumbalpunktion (Liquorpunktion): Vor allem bei den akuten Arten der Leukämie kommt es bei einigen Patienten zu einem Befall der Hirnhäute (Meningen). Daher ist die Information, ob der Betroffene an einer akuten oder chronischen Form leidet, für die Ärzte sehr wichtig. Bei Verdacht einer akuten Form wird der Arzt etwas Nervenwasser aus dem Nervenwasserkanal (Lumbalkanal) im Lendenwirbelsäulenbereich entnehmen (Lumbalpunktion) und anschließend untersuchen lassen.

Im Nervenwasserkanal befindet sich die Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit (Liquor), die das Gehirn gegen Druckeinwirkungen und Stöße von außen schützt. Sind die Hirnhäute infolge der Leukämie angegriffen, lassen sich im Liquor bestimmte Zellen nachweisen.

Damit das Nervenwasser entnommen werden kann, muss der Arzt mit einer langen, dünnen Hohlnadel zwischen den dritten und vierten oder zwischen den vierten und fünften Lendenwirbeldornfortsatz einstechen. Normalerweise wird hierfür keine Betäubung gesetzt.

Bei manchen Patienten reagieren die Hirnhäute sensibel auf die Liquor-Abnahme. In diesem Fall kann es sein, dass Sie leichte Kopfschmerzen bekommen. Daher empfehlen Mediziner, dass sich Betroffene direkt nach dem Eingriff mindestens vier Stunden lang hinlegen und nur aufstehen, wenn sie die Toilette benutzen müssen.

Bildgebende Untersuchungen: Bildgebende Untersuchungen sollen anzeigen, ob andere Organe von Krebszellen befallen sind, in welchem Zustand sich diese befinden und ob sie noch funktionstüchtig sind. Die Behandlungswahl hängt im großen Maße davon ab, inwieweit die Organe noch funktionieren. Wurden nämlich bereits bestimmte Organe weitreichend beschädigt, muss unter Umständen von der geplanten Chemotherapie abgesehen werden bzw. diese verändern.

Ultraschall: Mithilfe des Ultraschalls (Sonographie) hat der Arzt eine Einsicht in den Bauchraum und kann sich einen Überblick über die inneren Organe (Leber, Nieren, Nebennieren, Milz, Lymphknoten) verschaffen. Selbst kleine Tumore lassen sich dank der guten Technik erkennen. Zudem können Veränderungen der Organe wie vergrößerte Lymphknoten auf eine Entzündung hindeuten. Auch eine Sonographie des Herzens (Echokardiographie) ist möglich. Sie gibt Auskunft über die Funktion des Herzens. Diese Information ist sehr wichtig für die Planung und Durchführung der Chemotherapie. Die Ultraschalluntersuchung ist ein äußerst schonendes Verfahren: ist ist völlig risiko- und schmerzfrei und wird daher oft und gerne angewendet.

Computertomographie: Die Computertomographie (CT) ist eine spezielle Röntgenanwendung, mit der innere Organe, Lymphnoten und das Schädelinnere präzise dargestellt werden können, da Schnittbilder (Querschnitt) möglich sind. Darüber hinaus gibt die Computertomographie Aufschluss über die Größe der Lymphknoten, die durch die Leukämie vergrößert sein könnten, und die Beziehung zu den Organen beziehungsweise Strukturen in ihrer unmittelbaren Nähe. Im Gegensatz zur Ultraschalluntersuchung können mithilfe des CTs auch lufthaltige Organe dargestellt werden.

Darüber hinaus kann eine Röntgenaufnahme der Lunge und des Brustkorbes, eine Kernspintomographie (MRT) sowie ein Skelettzinzigramm sinnvoll sein, um eine umfassende Diagnose zu stellen bzw. um nach Infektionsquellen zu suchen.

Kernspintomographie (MRT): Eine noch präzisere Auskunft als die Computertomographie liefert die Kernspintomographie, welche auch als Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) bekannt ist. Mithilfe des MRTs können Störungen und Raumforderungen entdeckt werden. Die Untersuchungszeit dauert jedoch deutlich länger als die des CTs. Zudem ist die Untersuchung einigen Patienten recht unangenehm, da sie hierfür in eine spezielle Röhre geschoben werden, die möglicherweise aufgrund der Raumenge Panik auslöst. Darüber hinaus ist die Kernspintomographie wesentlich kostspieliger als die Computertomographie und wird nur in ausgewählten Kliniken angeboten. Dennoch wird das MRT immer häufiger bei Leukämieerkrankungen durchgeführt, wenn der Arzt Hirn und Rückenmark untersuchen möchte.

Was kommt nach der Diagnostik? Sofern die Diagnostik abgeschlossen ist, beginnt – falls notwendig – die Therapie. Der Arzt kann aufgrund der Diagnose eine geeignete Behandlung vorschlagen und durchführen. Eventuell wird der Betroffene an spezielle Ärzte bzw. an eine Klinik überwiesen. Der Patient wird dabei jedoch nicht übergangen, denn nichts wird ohne seine Zustimmung unternommen. Eine zielgerichtete Zusammenarbeit zwischen Arzt und Patient verspricht auf Dauer den größten Erfolg.

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